Die Prüfung, etwas Verbotenes zu tun

Im Rahmen meiner freimaurerischen Prüfung warf ich nachts zwei Mülltonnen um und hämmerte zwei Stunden lang gegen eine Autoscheibe – bis zum Morgengrauen.

Nun, warum tat ich das? Es widerspricht zutiefst meiner Persönlichkeit, mich wie ein Verbrecher zu verhalten. Ich bin eher ein überkorrekter Mensch bin, der sich an die offizielle Ordnung hält.

Aber meinem Eindruck nach wünschte mein geistiger Lehrer, dass ich über meinen Schatten sprang und so meine Loyalität zu einer geistigen Geheimgesellschaft demonstriere. Es war ein Verhaltensexperiment, eine karmische Mutprobe. Heißt es nicht, wir Menschen sollen etwas Neues ausprobieren und neue Erfahrungen machen?

Und weil meine moralische Seite recht gut ausgebildet ist, sollte ich diesem Lehrer zufolge nun auch diese andere Seite stärken, denn jeder Mensch hat zwei Seiten.

„Denk nicht, dass du etwas Verbotenes tust und keiner wird die Energie der Schuld bei dir wahrnehmen.“

Außerdem wollte dieser freimaurerische Lehrer, dass ich ihm vertraute. Ebenso wollte er, dass ich endlich meine Angst vor der Polizei, vor Ordnungsämtern, Gefängnissen und Gerichten verlor, denn ein wahrer Freimaurer fürchtet die Instanzen nicht. Und wer größere Prüfungen macht, dem vergütet das Leben seinen Mut. Zudem wollte ich mich für diesen geistigen freimaurerischen Lehrer als würdig erweisen.

Dieser Lehrer suggerierte mir, in Worte übersetzt: „Tu es, aber fühl dich nicht schuldig. Wenn du in keiner Weise denkst, etwas Verbotenes zu tun, wird keiner dir deine Schuld ansehen. Wenn du keine Angst im Herzen fühlst und in Gedanken ganz woanders bist, bist du für die Menschen unsichtbar.“

Niemand hat mich gesehen

In der Tat hat mich niemand bei meinem zweistündigen Hämmern gegen die Autoscheibe auf dem Großparkplatz gesehen. Jedenfalls hat keiner die Polizei oder den psychiatrischen Dienst gerufen. Das erschien mir erstaunlich, zumal einige Menschen vorbeigekommen sind. Das wiederum stärkte mein Vertrauen in diese seltsame Macht. Scheinbar konnte sie selbst Verbrecher schützen, wenn diese mit ihr in Resonanz gingen.

Dabei hatte ich im Vorfeld schon zweimal mit der Polizei zu tun gehabt und war schon zweimal in der Psychiatrie gewesen. In all diesen vier Fällen habe ich NICHTS wirklich Verbotenes getan. So rief man einmal die Polizei, als ich meine Schule über die Weltverschwörung aufklären wollte. Mein Idealismus wurde bestraft. Doch als ich wie ein Verbrecher gegen die Autoscheibe schlug, passierte nichts.

Wenn zwei Stunden im Morgengrauen zu interessanten Lehrstunden werden

Nachdem ich mich zum Hämmern gegen die Autoscheibe überwunden hatte und mich bemühte, keine Angst und keine Schuld zu fühlen, fühlte ich dies bald tatsächlich nicht mehr. Vielmehr war ich auferlegt zur Provokation – und irgendwann kam die Langeweile.

Dennoch vergingen diese zwei Stunden recht schnell, denn in Gedanken offenbarte mir diese freimaurerische Macht viele „Wahrheiten“. Leider weiß ich nicht mehr, welche. Es ging es um Themen wie Verräter, Gut/Böse, Verbrecher, Schuld … Ich interessierte mich so sehr für diese Gedankeneingebungen, dass das Hämmern gegen die Autoscheibe nebensächlich wurde.

Die luziferische Seite meiner Seele – eine Seele, die auf die dunkle Seite wechseln will?

Diese höhere Macht suggerierte mir, ich sei so etwas wie ein junger Luzifer. In mir stecke eine Seele mit starker Neigung zur luziferischen Seite, die es auszubilden gelte nach dem Prinzip: „Beginnen wir mit den kleinen Schritten.“

Das höchste Ziel meiner Seele sei es, eines Tages „der Luzifer“ zu sein. Allerdings sei es bis dahin ein weiter Weg, der sich über mehrere Leben erstrecken werde. Es sei der langfristige Plan meiner Seele, die in der Vergangenheit schon viel zu oft auf der guten Seite bis zum ersten Platz gespielt habe und die nun den anderen Weg bis zur Perfektion versuchen wolle. In diesem jetzigen Leben würde ich lediglich einen Anfang machen – zumal meine Seele aufgrund ihrer Vergangenheit nicht einfach umkehren könne.

Ich kann Ihnen nicht sagen, was davon wirklich auf die Weisung eines höheren Lehrers zurückgeht und was eher seltsame Gedankengänge meinerseits waren. Außerdem ist diese höhere Macht Lehrer und Irrlehrer zugleich, es ist eine Art Spiel. Tatsache ist allerdings, dass ich solche kleinen Verbrechen und Mutproben nie einfach so tun würde. Irgendwelche geistigen Mächte musste ich gefühlt haben und ich hatte auch schon einige andere paranormalen Erlebnisse hinter mir. Tatsache ist auch, dass KEIN psychotischer Wahn dahintersteckt, denn ich hatte meine normalen Ängste und meinen normalen Verstand.