Schwarze und weiße Quadrate: „Du bist das Quadrat, das nicht ins Raster passt.“ – Die Lektion eines freimaurerischen Lehrers?

In Freimaurerlogen findet man öfter Fußböden mit dem schwarz­-weißen Schachbrettmuster. Dieses Thema beschäftigte mich auch in der Psychiatrie. Während meiner dritten Reise in die Freimaurerloge Psychiatrie erhielt ich von einem geistigen freimaurerischen Lehrer eine Lektion zu den weißen und schwarzen Quadraten, die auf den Fensterscheiben der Psychiatrie prangen. Die weißen Quadrate sind zu einem Raster angeordnet. Dazwischen sind einige schwarze Quadrate, die als Rauten das Gitter durchbrechen. Dazu erhielt ich die Eingebung: „Du bist das Quadrat, das nicht ins Raster passt. Das schwarze Quadrat.“

Damit verbunden war die Lehre, dass die profanen Bürger weiße Quadrate sind, also gehorsame Schafe, die sich perfekt in Gottes heiliges Raster einfügen. Als Freimaurer mag man dieses Sinnbild auch mit dem Salomonischen Tempel in Bezug setzen, wo jeder Mensch in Form eines Würfels seinen perfekten Platz kennt und so dem Ganzen nach Gottes Willen dient. Dieses Raster war für mich aber ein Gefängnis. Ich war entschlossen, ein schwarzes Quadrat zu bleiben, das Sand ins Getriebe bringt und aus dem Raster ausbricht.

Ein Stein, der nicht in Gottes Tempel passt – das schwarze Quadrat

Der Gott dieser Welt schien ratlos zu sein, was er mit mir machen sollte. Für ihn schien ich ein Puzzleteil zu sein, das sich nirgendwo perfekt in seine Welt einfügen lässt –  denn im Grunde wollte ich Gottes Gegner sein, der sein wohldurchdachtes Raster durcheinanderbringt. In der profanen Deutung kann man auch sagen: „Weil du nicht ins Raster von Gottes Gesellschaft passt, bist du in der Psychiatrie. Hier sind schwarze Quadrate, die nicht in die göttliche Ordnung passen und passend gemacht werden müssen.“ Mancher Freimaurer mag in dieser Geschichte meines geistigen Lehrers eine Abwandlung der Lektion vom freimaurerischen Arbeitsteppich wiedererkennen, der zufolge wir Menschen raue Steine sind, die zu perfekten Würfeln werden sollen.

Allerdings lehrte mich diese Macht auch, dass ich trotz meiner Eigensinnigkeit nicht aus Gottes Ordnung ausbrechen könne. So griff ich bei Hunger öfter zu Schokolade von „Ritter Sport“, wo der Spruch steht: „Quadratisch, praktisch, gut.“ Es war, als suggerierte mir der Gott dieser Welt, der Herr der Materie: „Siehst du? Auch du bist trotz deiner Ideale noch ein Quadrat, das ins Gitter passt. Ich habe euch Menschen mit dem Hungertrieb ausgestattet, damit ihr als Schachfiguren berechenbar seid. Im Ernstfall rennt ihr eben doch dem Essen nach. Das vereinfacht das Spiel.“

Das Quadrat wurde für mich in der Psychiatrie zu einem Symbol fürs Gefängnis und für die perfekte Ordnung in einem Gefängnisstaat. Der Würfel stand bei mir für die Gefangenschaft im eigenen Körper durch die Schwächen und Triebe.

Falls Sie sich wundern, warum ich mal von einem freimaurerischen Lehrer und mal von einer Gottesmacht spreche: Ich weiß selbst nicht genau, woher all diese Eingebungen kamen. Ich versuche Ihnen nur mit Worten zu vermitteln, was ich innerlich erfahren habe.

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