Wie meine freimaurerische Prüfung weiterging

Vom Beginn meiner freimaurerischen Prüfung erzählte ich Ihnen bereits hier. Ich lief kreuz und quer durch den Wald der Kissinger Höhe meiner Heimatstadt. Leider verlor ich dabei den Schlüssel. Doch ich erachtete dies als Teil des freimaurerischen Spiels – und meine Aufgabe sei es, eine Lösung zu finden, die eines Freimaurers würdig ist. Oder zumindest eines „wilden Freimaurers“, wie ich mich nannte.

Von meinen Eltern den Ersatzschlüssel zu holen, kam also nicht infrage. Das wäre ein Davonlaufen vor der Prüfung. Stattdessen wollte ich einer geistigen, freimauerischen Macht vertrauen.

Das Spiel des freimaurerischen Lehrers mit meinen Hoffnungen

Da es in meinem Erleben eine freimaurerische Prüfung war, geleitet durch eine geistige Macht, die meine Gedanken zu lesen schien, wollte ich der Leitung dieses Meisters vertrauen. Doch dieser Meister führte mich auf viele Irrwege, sodass ich bald feststellte, dass er ein Rachespiel mit mir spielte. Dennoch machte ich mit. In Gedanken sprach ich: „Erzähl mir nicht, dort habe ich den Schlüssel verloren. Aber na schön, du willst, dass ich diesen Weg wähle, ich vertraue dir.“

Damals glaubte ich irrtümlicherweise, dass auch ein paar echte Freimaurer mit im Spiel seien. Ich glaubte, sie wollten Schatzsuche mit mir spielen und hätten den Schlüssel an einen anderen Ort hingelegt. Einzig deshalb hielt ich selbst die gewagtesten Umwege nicht für irrationale Irrwege, sondern da war immer die kleine Hoffnung: „Vielleicht ist der Schlüssel tatsächlich dort.“ Selbst wenn diese Macht mich nur weiter auf Irrwege führte, wollte ich in Gedanken in Freundschaft mit ihr verbunden sein. Alles andere erschien mir wie Verrat.

König der Freimaurer: Mit einer Dornenkrone …

Hoffnungsvoll und geduldig spielte ich das Spiel lange mit. Von dem Waldhügel der Kissinger Höhe leitete man mich zuerst durch einen Tunnel, den ich auf allen vieren entlangkroch. Dabei wurde meine Kleidung noch nasser und schmutziger, als sie ohnehin schon war. Ich wollte so kriechen, dass ich weniger nass wurde und die Kieselsteine unter den Knien weniger schmerzten, aber diese geistige Macht schien das anhand meines Körpergefühls zu merken und mich dafür zu tadeln, weshalb ich es änderte.

Schließlich leitete mich die geistige Macht durch einen Graben voller Dornengestrüpp. Dabei ging mir ein Lied über Jesus durch den Kopf (es war auch zufällig die Zeit vor Ostern): „O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron.“

Dieses Lied erschien mir umso passender, da ich bei meiner ersten Reise in die Psychiatrie die Eingebung hatte, „König der Freimaurer“ zu sein – ein Gedanke, der durch mein gezeichnetes Bild in der 13. Klasse bestärkt wurde, welches Sie oben auf der Website sehen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich sah diesen Titel stets symbolisch bis ironisch und bildete mir nicht zu viel darauf ein.

Die weiteren Prüfungen meines freimaurerischen Lehrers

Doch zurück zu meinem Prüfungspfad: Ich kämpfte mich lange durch das Dornengestrüpp, bis ich bei meinem Wohnhaus ankam. Es war vor 23 Uhr. Auf der Suche nach dem Schlüssel folgte ich weiter der Leitung dieser freimaurerischen Macht. So öffnete ich das Gitter von einem Abfluss des Hauses. Ebenso öffnete ich mit einem Handschuh vier kleine Metalltürchen im Keller und suchte in der Asche dahinter nach dem Schlüssel. Zufällig stand das Hintertor in jener Nacht offen, sodass ich ohne Schlüssel in den Keller kam. Das wertete ich als weiteren Wink des Schicksals und dafür, dass auch echte Freimaurer im Spiel waren.

Doch auch in der Asche fand ich keinen Schlüssel und mir wurde das Spiel zunehmend unangenehmer. Während die Prüfung im Wald mir noch auf irgendeine Weise Freude gemacht hatte und gegen keine offizielle Regel verstieß, geriet ich nun mit der Ordnung des Hauses in Konflikt. Zudem war es längst dunkel und ich fror in meiner halb nassen Kleidung.

Immer mehr fragte ich mich: „Was, wenn man nicht vorhat, mich zum Schlüssel zu führen? Was, wenn man mich bewusst enttäuschen will, und sei es auch als Vertrauensbeweis, dass ich zu diesen Freimaurern halte, selbst wenn sie mich nicht in ihre Geheimgesellschaft aufnehmen? Was ist Wahrheit und was Illusion? Wie verhält sich diese geistige freimaurerische Macht zu den lokalen Freimaurern meiner Stadt? Was, wenn Letztere nichts von alldem wissen?“

Das Haus mit der Nummer 33

Schließlich verleitete mich diese freimaurerische Macht dazu, beim Haus zu klingeln, das meinem Haus gegenüberlag und die Nummer 33 trägt, was mich an den 33. Grad der Hochgradfreimaurer erinnert – umso mehr, weil hinter diesem Haus die Saturnstraße verläuft und die Jupiterstraße angrenzt. Das ganze Stadtviertel ist voller Planetennamen. Das muss nichts Großes bedeuten, aber bei meinem Vorwissen ergeben sich daraus interessante Gedanken. Diese können wahr oder falsch sein, doch mit solchen Illusionen kann eine höhere Macht gezielt spielen.

Ich weiß nicht genau, was meine eigenen Ideen waren und was von dieser Macht angeregt wurde. Jedenfalls klingelte ich beim Haus Nummer 33 in der Hoffnung, dass dort echte Freimaurer sind, die das Spiel endlich auflösen würden. Im Idealfall würde man mir den Schlüssel aushändigen und mir sagen, dass ich die Prüfung ihrer Geheimgesellschaft bestanden hatte.

Mit dem Verstand betrachtet hielt ich einen derartigen Zufall für extrem unwahrscheinlich. Es war viel wahrscheinlicher, dass in diesem Haus profane Bürger lebten, die nichts von meinem Spiel mit dieser freimaurerischen Macht wussten. Aber ich wollte hoch spielen und aufs Ganze gehen. Ich wollte Mut beweisen, auch mir selbst gegenüber.

Doch wie sollte ich vor diesem 33er Haus auftreten? Da ich mich mit geheimen Freimaurergesten nur ungenau auskannte, hoffte ich, dass man mir diese Bildungslücke verzieh.

Wie ich mich vor Haus Nummer 33 als Freimaurer auswies

Um mich als Freimaurer auszuweisen, hielt ich dem Mann an der Tür das Buch „Geheimgesellschaften 3 – Krieg der Freimaurer“ von Jan van Helsing hin und fragte ihn: „Können Sie mir helfen?“

Ich hoffte, er sei ein Freimaurer und würde mich verstehen – und dass er sich mir trotz meines unperfekten Auftritts als Freimaurer zu erkennen gäbe. (Das Buch „Geheimgesellschaften 3“ begleitete mich während der ganzen Prüfung. Mit diesem Buch fühle ich mich auf besondere Weise verbunden. Wir beide haben schon viel gemeinsam erlebt …).

Leider wurde meine Hoffnung auf ein erlösendes Ende erneut enttäuscht. Der Mann machte die Tür einfach wieder zu. Unschlüssig stand ich da, denn ich hatte ja vorgehabt, auf das Netzwerk der Freimaurer zu vertrauen und nicht zu profanen Bürgern zu gehen.

Wie es bei meiner freimaurerischen Reise weiterging

Mit dem Klingeln beim Haus Nummer 33 hatte ich aus meiner Sicht die beste Wahl getroffen. Wenn dies nicht der Ausweg aus dem Labyrinth war, dann wollte ich in dieser Nacht nicht weitersuchen – zumal ich nicht wusste, ob ich lediglich nicht würdig genug für eine Offenbarung der Freimaurer war oder mich in einer Illusion bewegte. In letzterem Fall spielte ich mit dieser geheimnisvollen Macht nur ein Spiel unter unwissenden Bürgern.

Ratlos stand ich auf der Straße. Ich wollte mich nicht bei weiteren Häusern als suchender Freimaurer offenbaren, auch wenn mir diese geistige Macht in einer früheren Prüfung suggeriert hatte, dass Freimaurer gerne in Häusern mit symbolischen Nummern wie 6, 13 und 23 wohnen würden und ihre Häuser mit besonderem Sinn für Schönheit gestalten, was man an den Vorgärten, Türen und Fenstern sehen könne. Aber lassen wir diesen Unsinn …

Die Prüfung abbrechen

Ich entschied mich, die Prüfung abzubrechen. Ich wollte nur noch ins Bett. In Gedanken stellte ich mir selbst mein Zeugnis aus: „Aus meiner Sicht habe ich gut gespielt. An eurer Stelle würde das Spiel beim 33er Haus auflösen, aber weil dies nicht geschieht, gebe ich auf. Vielleicht gefällt es euch ohnehin besser, wenn ich nur auf symbolische Weise mit euch verbunden bin. Ich bin nicht zornig auf euch, das ist in Ordnung so.“

Der profane Weg zum Schlüssel

Da der Marsch zu meinen Eltern das Letzte war, was diese freimaurerische Macht wollte, klingelte ich bei meiner Vermieterin. Zu dieser Zeit kam auch die Polizei, die der Mann aus dem 33er Haus gerufen hatte, weil ich für ihn seltsam aufgetreten bin.

Jedenfalls erzählte ich der Polizei, dass ich den Schlüssel verloren hatte und bei meiner Vermieterin einen Ersatzschlüssel abholen wollte. Letztlich bekam ich den Schlüssel, ging in meine Wohnung, nahm eine warme Dusche und ging zu Bett – nur um in dieser Nacht gegen 5 Uhr morgens eine weitere Prüfung anzufangen (LINK).

Meine Bewertung des Experiments

Wenn Sie das nicht alles verstehen – nun, ich schreibe nur auf, wie ich damals gedacht habe. Jedenfalls war das KEIN psychotischer Wahn. Ich bin vielmehr einer geistigen Macht und falschen Verschwörungstheorien gefolgt, alles verbunden mit Schauspielerei und Mutproben. Es war meine Art, Ängste zu überwinden und neue Erfahrungen zu machen.

Mit dem Verstand betrachtet bin ich einfach einem Irrweg und gewagten Theorien gefolgt. Meinem Gefühl nach hat auch eine geistige Macht dabei mitgewirkt, aber ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur zu 100 Prozent, dass meine Psychiater Irrwegen folgen.